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Innere Sicherheit finden in einer mehrdeutigen Welt

Grafik mit der Aufschrift „Innere Sicherheit finden in einer mehrdeutigen Welt“ auf violettem Hintergrund, mit goldenem Button „Jetzt lesen“.

Innere Sicherheit finden, wenn mehrere Deutungen nebeneinanderstehen. Wie Selbst-Rehabilitation hilft, Stressreaktionen zu beruhigen und innere Ordnung wiederherzustellen.


Eine persönliche Einordnung

Durch Selbstbeobachtung – und mit Hilfe der stoischen Philosophie – habe ich mir über die Jahre bestimmte innere Bereiche bewusst erarbeitet, die mir heute Halt geben. Ich war lange Zeit ein Mensch, der Konflikte um jeden Preis vermeiden wollte. Ein klassischer People Pleaser, der Harmonie über Klarheit stellte und dabei die eigene innere Stabilität immer wieder aufs Spiel setzte.

Auf dem Weg aus dieser Haltung heraus habe ich gelernt, dass innere Sicherheit nicht durch Zustimmung entsteht, sondern durch innere Ordnung. Ich ersetze Stück für Stück Anpassung durch Klarheit. Die stoische Philosophie hat mir dabei geholfen, zwischen dem zu unterscheiden, was in meiner Macht liegt, und dem, was ich nicht kontrollieren kann. Diese Unterscheidung wurde zu einem zentralen Werkzeug auf meinem Weg zu innerer Stabilität.

Die folgenden Gedanken und Beobachtungen sind aus dieser persönlichen Entwicklung heraus entstanden und somit meine gelebte Praxis.


Wenn innere Sicherheit verloren geht


Wer innere Sicherheit nicht herstellen kann, wird sich an keinem Ort der Welt dauerhaft sicher fühlen.

Denn das Gefühl von Sicherheit entsteht nicht primär im Außen, sondern im Inneren – in der Beziehung zur eigenen Wahrnehmung.

Viele Menschen erleben Situationen, in denen ihre eigene Sicht der Dinge nicht verschwindet, aber auch nicht eindeutig bestätigt wird. Andere Deutungen stehen neben der eigenen, bleiben bestehen und lassen sich nicht klären. Diese Gleichzeitigkeit kann zutiefst verunsichern.


Keine konkurrierenden Wahrheiten – sondern mehrdeutige Realität

Es handelt sich dabei nicht um konkurrierende Wahrheiten im Sinne eines Wettstreits. Psychologisch hilfreicher ist es, von koexistierenden Deutungen oder einer mehrdeutigen Realität zu sprechen. Mehrere Sichtweisen können nebeneinander bestehen, ohne dass sich eine eindeutig durchsetzen muss.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, zwischen Erklärung und Rechtfertigung zu unterscheiden. Eine Erklärung dient dem Verstehen, eine Rechtfertigung dem Verteidigen – innere Klarheit braucht meist das eine, nicht das andere. Und wir können es stehen lassen, wenn andere unsere Worte als Rechtfertigung deuten oder sagen: „Du brauchst dich jetzt nicht zu rechtfertigen.“ Ein hilfreicher innerlich gedachter – oder auch ausgesprochener – Satz ist dann: „Stopp. Ich überlasse dir die Verantwortung für deine Gedanken.“

Das eigentliche Spannungsfeld entsteht oft nicht durch die andere Deutung selbst, sondern durch den Verlust innerer Orientierung. Der Mensch sucht nach Kohärenz, nach einem Gefühl von Stimmigkeit. Bleibt diese aus, reagiert der Körper.


Vielleicht kennst du das Bild, in dem zwei Menschen ein und dieselbe Zahl betrachten: Der eine steht auf der einen Seite der Zahl und sieht eine 6, der andere steht ihm gegenüber und erkennt eine 9. Ja, wer hat denn nun recht??? Beide haben recht – aus ihrer jeweiligen Perspektive. Ähnlich verhält es sich im Alltag: Solche Situationen, in denen unterschiedliche Deutungen nebeneinanderstehen, begegnen uns unzählige Male am Tag.


Wenn der Körper reagiert

Mehrdeutige Situationen können massive körperliche Stressreaktionen auslösen:

  • Enge in Brust oder Hals

  • Herzklopfen oder Zittern

  • Hitze- oder Kältewellen

  • Übelkeit

  • plötzliche Erschöpfung

  • Flucht- oder Erstarrungsimpulse

Diese Reaktionen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eines Nervensystems, das nach Sicherheit und Halt sucht. Ach, wie gut ich selbst dieses Gefühl kenne ...


Trauma oder Erinnerung?

Nicht jede solche Erfahrung ist ein Trauma. Aber sie kann traumatisch wirken, wenn sie innerlich ungeordnet bleibt. Manchmal handelt es sich um ein kleines, neues Mikrotrauma. In anderen Fällen wird eine frühere Erfahrung reaktiviert – ein Echo aus Zeiten, in denen man sich nicht gesehen, nicht ernst genommen oder falsch eingeordnet gefühlt hat.

Entscheidend ist nicht die Ursache, sondern die Wirkung. Und diese Wirkung braucht Beachtung.


Selbst-Rehabilitation – psychische Wiederherstellung

In der Medizin bezeichnet Rehabilitation die Wiederherstellung körperlicher oder psychischer Funktionen nach einer Belastung. Übertragen auf die Psyche bedeutet Selbst-Rehabilitation, die eigene innere Ordnung wiederherzustellen, wenn sie durch äußere oder innere Umstände verloren gegangen ist.

Selbst-Rehabilitation heißt nicht, andere Deutungen zu widerlegen oder Recht zu bekommen. Sie bedeutet, der eigenen Wahrnehmung wieder einen sicheren Platz zu geben – unabhängig davon, was im Außen bestehen bleibt.


Innere Sicherheit herstellen

Innere Sicherheit entsteht durch eine innere Entscheidung:

Ich muss diese Situation nicht auflösen, um wieder sicher zu sein.

Oder:

Ich akzeptiere und erlaube, dass andere Deutungen existieren, ohne meine eigene zu verlassen.

Diese Haltung beruhigt das Nervensystem, weil sie Orientierung schafft. Nicht durch Kontrolle, sondern durch innere Verortung.


Heilige Wut und Schöpfungsenergie

Zwei innere Kräfte unterstützen diesen Prozess. Die erste ist eine ruhige, klare Form von Wut – eine heilige Wut. Sie zeigt an, dass eine Grenze verletzt wurde, ohne in Angriff oder Eskalation zu führen. Sie sagt innerlich: So nicht.

Die zweite Kraft ist Schöpfungsenergie. Sie entsteht, wenn innere Ordnung wiederhergestellt ist und Energie nicht länger im Konflikt gebunden bleibt. Aus ihr wachsen Gestaltung, Klarheit und Bewegung nach vorn.


Innere Ordnung als gelebte Haltung

Ich habe mich lange genug an diese inneren Sätze und Haltungen gehalten – auch in Phasen, in denen innerlich alles dagegen rebellierte. Heute prüfe ich sie nicht mehr in endlosen inneren Diskussionen, sondern wende sie an. Dadurch verkürzt sich die Dauer meiner körperlichen Stressreaktionen deutlich. Innerhalb weniger Stunden kann ich mir wieder ein stabiles inneres Fundament geben, ohne mich in Selbstverrat oder tagelangen moralisch-ethischen Prüfungen zu verlieren.

Die Erfahrung zeigt mir zudem, dass ein Großteil dessen, was mich früher innerlich gebunden hat, rückblickend kaum bis keine reale Konsequenzen hatte. Vieles war Kopfkino.


Was, wenn ich tatsächlich einen Fehler gemacht habe?

Und ja – es kann ebenso sein, dass es sich tatsächlich um eine Verfehlung oder einen Fehler handelt. Auch das gehört zum Menschsein. In diesem Fall geht es nicht darum, hart mit sich zu werden, sondern den Fehler anzunehmen, liebevoll bei sich zu bleiben und die Erfahrung bewusst mitzunehmen. Manchmal ist das Wichtigste kein Urteil, sondern ein leiser innerer Hinweis: Schau hier noch einmal hin.


Ich erinnere mich an zahlreiche innere Prozesse, die mir Tage wertvoller Lebenszeit genommen haben, weil mir der Umgang mit solchen Situationen fehlte. Heute weiß ich: Man kann das lernen. Zum einen, indem man die eigenen Werte ehrlich prüft und sie verbindlich in den Alltag integriert. Zum anderen, indem man innere Ablehnung bewusst gegen Frieden tauscht.


„Willst du recht haben oder glücklich/in Frieden sein?“

stammt aus der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Ich für mich habe festgestellt, dass immer recht haben wollen/müssen in der Gesellschaft ein überflüssiger Kampf gegen Windmühlen ist.


Dabei spielen universelle Lebensgesetze eine Rolle – etwa das Gesetz der Anziehung, der Frequenz und der Spiegelung. Sie machen erfahrbar, dass innere Klärung nicht nur beruhigt, sondern auch die äußere Wirklichkeit verändert.


Ich habe mich lange genug an diese inneren Sätze und Haltungen orientiert – auch in Phasen, in denen innerlich alles dagegen rebellierte. Heute prüfe ich sie nicht mehr in endlosen inneren Diskussionen, sondern wende sie an. Dadurch verkürzt sich die Dauer meiner körperlichen Stressreaktionen deutlich. Innerhalb weniger Stunden kann ich mir wieder ein stabiles inneres Fundament geben, ohne mich in Selbstverrat oder tagelangen moralisch-ethischen Prüfungen zu verlieren.


Innere Ordnung als Ort der Sicherheit

Innere Sicherheit bedeutet nicht, dass alle Fragen geklärt sind. Sie bedeutet, einen inneren Standpunkt zu haben, von dem aus man der Welt begegnet. Wer diesen Standpunkt nicht findet, wird sich an keinem Ort der Welt dauerhaft sicher fühlen.

Selbst-Rehabilitation ist daher kein Rückzug, sondern eine Form von Selbstführung. Sie schafft einen inneren Ort, an dem man in Frieden sein kann – auch wenn die Welt mehrdeutig bleibt.


Schutzräume im Alltag

Ergänzend zu all diesen inneren Haltungen habe ich für mich gelernt, wie wichtig konkrete Schutzräume sind. Nicht als Erklärung, sondern als Erfahrung. In Momenten starker innerer Unruhe hilft mir kein weiteres Nachdenken, sondern etwas, das mich wieder im Körper ankommen lässt.

Das kann ganz schlicht sein: mit meinen Hunden auf dem Sofa zu liegen, ihre Nähe zu spüren und bedingungslose Zuneigung zu erfahren – ohne etwas leisten oder klären zu müssen. Auch das Kümmern um Pflanzen wirkt für mich ordnend. Erde berühren, gießen, wachsen sehen – eine stille Form von Verlässlichkeit.

Manchmal puzzle ich. Oft gehe ich in den Wald. Das gleichmäßige Gehen, die Geräusche, das Draußensein.

Diese Schutzräume ermöglichen innere Arbeit. Sie helfen mir, innere Sicherheit zu spüren und geben mir Halt, wenn der Körper schneller reagiert als das höhere Bewusstsein folgen kann.


Eine Geschichte über Würde

Dieser Gedanke hat mich so begleitet, dass ich ihm selbst eine Geschichte gewidmet habe – als Kurzgeschichte in meinem Reisetagebuch "Irgendwann hat angeklopft - Über das Wagnis, Träume zu leben".

Es ist die Geschichte von Liv und Rose: von einer Frau, die nie rehabilitiert wurde, von der Gesellschaft ausgestoßen war und sich dennoch ein kleines Paradies auf Erden erschaffen hat – und damit jene Menschen anzog, die ihre Wahrheit sehen konnten. Rose hat mich durch diese Geschichte gelehrt, dass sich ein stimmiges, glückliches und gelingendes Leben um seiner selbst willen lohnt. Immer.


Herzlichst

Lena




Pressekontakt

Lena Dieterle 
Am Felsenkeller 11
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