Winterkräuter – Wildkräuter sammeln im Winter
- lena.literatur

- vor 2 Stunden
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Ich bin immer wieder begeistert von Mutter Natur. Und auch demütig und unendlich dankbar. Heute konnte ich selbst unter einer Schneedecke frischen, wild gewachsenen Feldsalat und sogar blühendes Schaumkraut ernten. Während viele glauben, dass im Winter keine essbaren Wildpflanzen wachsen, zeigt ein genauer Blick das Gegenteil. Die Natur stellt ihre Versorgung auch in der kalten Jahreszeit nicht ein.
Wildes Sammeln im Winter bedeutet, aufmerksam durch Landschaft und Wald zu gehen und jene Pflanzen zu erkennen, die Frost und Kälte trotzen. Diese Winterkräuter liefern frisches Grün, hohe Nährstoffdichte und eine ursprüngliche Qualität, die kultivierte Lebensmittel in dieser Jahreszeit kaum erreichen. Wer Wildkräuter im Winter in die Ernährung integriert, verbindet sich unmittelbar mit dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten.
Spoiler: Ganz unten gibt es einen leckeren Wintersalat für dich, der sich prima mit verschiedenen Wildkräutern servieren lässt.

Warum Winterkräuter sammeln?
Wildkräuter im Winter wachsen ohne Züchtung, Dünger oder künstliche Bewässerung. Sie passen sich selbstständig an Lichtmangel, Kälte und wechselnde Feuchtigkeit an. Dadurch entwickeln sie eine hohe Konzentration an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen.
Viele Winterkräuter enthalten zudem beachtliche Mengen an Vitamin C und unterstützen den Organismus gerade in der lichtarmen Jahreszeit auf natürliche Weise.
Winterkräuter zu sammeln bedeutet:
frische, regionale Nahrung im Winter
hohe Nährstoffdichte
natürliche Vitamin-C-Quellen
Bewegung in der Natur
achtsame Verbindung mit dem Jahreskreis
Grundregeln für das Sammeln von Wildkräutern im Winter
Pflanzen sicher bestimmen
unbelastete Standorte wählen
nur kleine Mengen entnehmen
Bestände respektieren und achtsam vorgehen
Blätter und junge Triebe bevorzugen
Gerade junge Winterkräuter sehen sich häufig ähnlich. Sorgfalt bei der Bestimmung ist unerlässlich.
Diese Wildkräuter wachsen im Winter
Brennnessel – nährstoffreiche junge Triebe
Brennnesseln ziehen sich im Winter teilweise zurück, treiben aber bei mildem Wetter schnell neu aus. Die jungen Blätter sind besonders nährstoffreich, enthalten viel Vitamin C sowie Eisen und Kalzium und eignen sich für Suppen, Pestos oder gedünstetes Gemüse.

Brombeertriebe und Blätter
Die jungen, weichen Triebspitzen der Brombeere sind auch im Winter nutzbar, solange sie noch nicht verholzt sind. Sie sind mild-säuerlich und enthalten Gerbstoffe sowie Vitamin C.
Zusätzlich können die immergrünen Brombeerblätter ganzjährig für Tee gesammelt werden.
Ehrenpreis – feine Würze
Ehrenpreis zeigt auch im Winter kleine, zarte Blätter und feine hellblaue Blüten
. Sie besitzen ein leicht würziges Aroma und eignen sich als Bestandteil von Wildkräutersalzen oder Kräutermischungen. Auch Ehrenpreis trägt zur Vitamin-C-Versorgung bei.

Feldsalat – wild gewachsener Winterklassiker
-> Rezept dazu siehe ganz unten
Wild wachsender Feldsalat bildet kleine Rosetten auf Wiesen, Brachflächen und Feldrändern. Er bleibt auch bei Frost frisch. Sein milder Geschmack macht ihn ideal für Salate und grüne Wintermischungen. Feldsalat enthält relevante Mengen an Vitamin C und gehört zu den zuverlässigsten Winterkräutern.
Gundermann
Der Gundermann (auch Gundelrebe oder Erdefeu genannt) gehört zu den zuverlässigsten Wildkräutern im Winter. Die Pflanze ist immergrün und wächst auch bei niedrigen Temperaturen weiter. Die jungen Blätter und Triebe sind essbar und eignen sich vor allem als Würzkraut. Geschmacklich sind sie herb-würzig mit leichter Minznote.
Im Winter können einzelne Blätter eine leicht rötliche Färbung annehmen. Das ist eine natürliche Reaktion auf Kälte oder Sonneneinstrahlung und kein Hinweis auf mangelnde Qualität.
Gundermann enthält ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und moderate Mengen Vitamin C. Er wird traditionell sparsam verwendet, da größere Mengen aufgrund der Bitterstoffe schwer bekömmlich sein können.
Labkraut – feine Wintertriebe
Labkraut bleibt oft ganzjährig sichtbar. Die zarten Triebe besitzen ein mildes Aroma und eignen sich für Salate oder Suppen. Auch Labkraut enthält Vitamin C in natürlicher Form.
Löwenzahn – frühe Bitterkraft
Löwenzahn treibt in milden Phasen selbst im Winter junge Blätter aus. Sie sind bitter-würzig, mineralstoffreich und enthalten relevante Mengen an Vitamin C.
Hinweis: Zur Löwenzahnwurzel findest du einen eigenen Blogbeitrag mit Ernte- und Verwendungshinweisen.

Schaumkraut – frischer, kresseartiger Geschmack
Schaumkraut bildet bereits im Winter junge Rosetten. Der Geschmack erinnert an Gartenkresse – frisch, leicht scharf und sehr angenehm im Salat. In milden Wintern kann es sogar bereits blühen. Schaumkraut gehört zu den Wildkräutern mit besonders hohem Vitamin-C-Gehalt.
Scharbockskraut – frühes Blattgrün
Scharbockskraut erscheint sehr früh, oft bereits mitten im Winter an geschützten Standorten. Die jungen Blätter gehören zu den ersten kräftigen Winterkräutern des nahenden Frühlings. Besonders bemerkenswert ist ihr außergewöhnlich hoher Vitamin-C-Gehalt.
Wichtiger Hinweis zum Scharbockskraut:
Scharbockskraut darf ausschließlich vor der Blüte geerntet werden. Mit Beginn der Blüte steigt der Gehalt an Protoanemonin. Die Blätter werden bitter und können in größeren Mengen unverträglich sein.
Regel beim Sammeln: Vor der Blüte ernten, nach der Blüte stehen lassen.

Spitzwegerich
Die Blätter des Spitzwegerichs bleiben in milden Wintern grün und sind oft sogar unter Schnee noch auffindbar. Sie sind zähfaseriger als Sommerblätter, aber gut nutzbar – fein geschnitten im Salat, als Tee oder gedünstet.
Spitzwegerich enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe und relevante Mengen an Vitamin C. Traditionell wird er auch als Heilpflanze für Atemwege geschätzt. Als Winterkraut ist er robust und zuverlässig.
Taubnessel – ganzjährig verfügbar
Taubnesseln begleiten uns fast durch das ganze Jahr. Die jungen Triebspitzen sind weich, mild und eignen sich roh oder leicht gedünstet. Sie enthalten Mineralstoffe und moderate Mengen an Vitamin C.
Vogelmiere – zartes Grün im Winter
Vogelmiere wächst teppichartig selbst bei niedrigen Temperaturen. Sie ist mild, saftig und roh sehr gut verwendbar. Vogelmiere liefert bemerkenswerte Mengen an Vitamin C sowie Eisen und Magnesium. Ein klassisches Wildkraut im Winter.

Bärlauch – frühes Wildkraut ab Ende Januar/Anfang Februar je nach Region
In geschützten, schattigen Lagen treibt Bärlauch in milden Wintern bereits aus. Die jungen Blätter besitzen ein deutliches Knoblaucharoma und eignen sich für Pesto, Kräuterbutter oder Suppen. Auch Bärlauch enthält Vitamin C.
Achtung - giftige Doppelgänger - wichtig ist die sichere Unterscheidung von Maiglöckchen und Herbstzeitlose. Der typische Knoblauchduft beim Zerreiben der Blätter ist ein entscheidendes Merkmal.
Hagebutte – Vitamin-C-Kraft aus dem Winter
Auch die Hagebutte gehört zu den wertvollsten Begleitern der kalten Jahreszeit. Die leuchtend roten Früchte der Wildrose bleiben oft bis tief in den Winter am Strauch hängen und sind eine der natürlich reichhaltigsten Vitamin-C-Quellen unserer heimischen Pflanzenwelt. Gerade in der lichtarmen Zeit liefern sie dem Körper wichtige Mikronährstoffe und antioxidative Pflanzenstoffe.
Hagebutten eignen sich für Tee, Mus, Pulver oder als feine Zugabe in der Wildkräuterküche. Ihr säuerlich-fruchtiger Geschmack ergänzt winterliche Gerichte auf angenehme Weise.
Einen ausführlichen Beitrag zu Ernte, Verarbeitung und Verwendung findest du in meinem Blogartikel Hagebutten-Special.
Die Lebensenergie von Winterkräutern
Neben ihrem Nährstoffgehalt tragen Wildkräuter im Winter eine besondere Qualität: ihre Lebensenergie. Pflanzen, die ohne menschliche Eingriffe wachsen, entwickeln eine hohe Eigenkraft. Sie wurzeln tief im Boden, passen sich an Kälte, Lichtmangel und Feuchtigkeit an und folgen dem natürlichen Rhythmus der Jahreszeiten.
Diese ursprüngliche Vitalität wird beim Verzehr aufgenommen – eine Kraft, die viele Menschen bewusst wahrnehmen, wenn sie regelmäßig Winterkräuter sammeln und verzehren. In der radiästhetischen Betrachtung wird diese Qualität in Boviseinheiten beschrieben – ein Maß für energetische Schwingung von Lebensmitteln. Wildkräuter im Winter erreichen hier oft außergewöhnlich hohe Werte.
Einen vertiefenden Beitrag findest du hier. Lesen lohnt sich!
Wildes Sammeln im Winter zeigt, dass die Natur auch in der stillsten Jahreszeit Nahrung bereithält. Winterkräuter liefern frisches Grün, hohe Nährstoffdichte, natürliche Vitamin-C-Quellen und eine ursprüngliche Qualität. Wer Wildkräuter im Winter in die eigene Ernährung integriert, erlebt die Jahreszeiten bewusst, regional und im direkten Kontakt mit der Landschaft.
Wildkräuter erleben – geführte Wanderungen in der Region
Als Natur- und Wildnispädagogin begleite ich Menschen dabei, Wildkräuter im Winter sicher zu erkennen, zu sammeln und in ihren natürlichen Lebensräumen zu verstehen. In meinen Wildkräuterwanderungen vermittle ich fundiertes Pflanzenwissen, praktische Sammeltechnik und ein achtsames Verständnis für ökologische Zusammenhänge.
Ich biete geführte Wildkräuterwanderungen in den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg an. Die Touren finden in ruhigen, naturbelassenen Gebieten statt und richten sich an Menschen, die Wildkräuter im Winter bewusst entdecken und sicher in ihre Ernährung integrieren möchten.
Weitere Informationen findest du auf meiner Webseite. Gerne können auch individuelle Termine angefragt werden. Wildkräuterwanderungen eignen sich hervorragend als Gruppenerlebnis, als besonderes Geschenk, für Teams, Geburtstage und viele weitere Anlässe.
Rezept für einen Winter-Salat mit wildem Feldsalat

Winter-Salat mit wildem Feldsalat, Quinoa und Apfel-Fenchel
Ein frischer Wintersalat, der Wildkräuter, Frucht und warme Komponenten verbindet. Nährend, leicht und voller natürlicher Aromen.
Zutaten (für 2 Portionen)
eine Handvoll wild gewachsener Feldsalat
5 EL gekochte Quinoa
gebratene Gemüsebällchen (gekauft, nach Wahl, vegan)
1 kleiner Apfel
½ Fenchelknolle
optional: weitere Wildkräuter wie Vogelmiere oder Gundermann
Für das Dressing:
1 TL Senf
1 TL Ahornsirup
2–3 EL hochwertiges Öl
1–2 EL Zitronensaft
Salz, Pfeffer
Zubereitung des Wintersalats
1. Apfel und Fenchel fein schneiden und in eine Schüssel geben. Aus Senf, Ahornsirup, Zitronensaft und Öl ein Dressing rühren und unter den Apfel-Fenchel-Salat mischen.
2. Quinoa in einem feinen Sieb mit heißem Wasser gründlich abspülen, um die natürlichen Bitterstoffe (Saponine) zu entfernen. Anschließend mit der doppelten Menge Wasser in einen Topf geben, kurz aufkochen und bei niedriger Hitze etwa 12–15 Minuten sanft köcheln lassen, bis das Wasser aufgenommen ist. Danach vom Herd nehmen und weitere 5 Minuten quellen lassen. Mit einer Gabel auflockern.
3. Gemüsebällchen in der Pfanne goldbraun anbraten.
4. Wild gewachsenen Feldsalat waschen und auf Tellern anrichten. Quinoa, Apfel-Fenchel-Salat und Gemüsebällchen darauf verteilen. Optional mit weiteren Wildkräutern bestreuen und nach Bedarf nochmals leicht salzen und pfeffern.
Ein nährender Wintersalat, der frisches Wildgrün, warme Komponenten und feine Aromen auf natürliche Weise verbindet. Lass es dir schmecken!
Herzlichst
Lena



